Meine Bahnhofsuhren

 

Bahnhofsuhren haben mich schon immer fasziniert. In den 80er Jahren, wenn wir uns im Warteraum vom Bahnhof Zühlsdorf aufhielten, war es immer zu hören, das klicken des Zeigers nach jeder Minute. Unaufhörlich schritt die Zeit voran. Heute hängt so eine Uhr in meinem Arbeitszimmer und ich bekomme es kaum noch mit.
Im Jahre 2015 kam ich dann zu dem Entschluss, beim Hausbau eine Bahnhofsuhr an der Fassade mit einzuplanen.
Nun gab es die Möglichkeit, da ich noch eine Hauptuhr (meist als Mutteruhr bezeichnet) besitze, die Uhr darüber zu steuern. Bei der Deutschen Reichsbahn war das nämlich der Fall, das solch eine Mutteruhr viele Uhren auf den einzelnen Dienststellen oder Bahnhöfen steuerten.
Diese Pendeluhren haben ein präzises mechanisches Pendelwerk und es wird alle 60 Sekunden einen elektrischen Impuls an die Nebenuhren ausgesendet, das dort über einen Schrittmotor das Zeigerwerk antreibt.
Um die Auswirkungen von Störeinflüssen auf die Leitung zu reduzieren, die den Gleichlauf der Uhren beeinträchtigen könnten, werden aufeinanderfolgende Stellsignale mit entgegengesetzter Polarität ausgesendet. Die Umkehrung der Polarität des Stellsignals übernimmt bei Uhren älterer Bauart ein Polwenderelais. Diese Relais schaltet recht laut und es ist alle 60 Sekunden zu hören und das im ganzen Haus. Also entschied ich mich, im Sicherungs- und Zählerschrank  einen 12V Trafo auf der Sicherungsschiene mit einbauen zu lassen. Diese 12V Leitung und eine weitere 230V Leitung für die Beleuchtung wurden somit gleich unter Putz mit verlegt.
An der Fassade wurden nun 24er Gewindebolzen in der Wand verankert und die Uhr konnte angehangen
und mit 4 Hutmuttern gesichert werden.
Mit der 12V Leitung konnte ich nun ein DCF-Funkuhrmodul ansteuern, das die neuen Nebenuhrwerke der Firma Bürk schalten. Das gute an so ein DCF-Funkmodul, es reagiert automatisch auf die Sommer- und Winterzeit. Man braucht sich um die Uhr gar nicht mehr zu kümmern und sie geht als Funkuhr auf die Sekunde genau.
Die Uhr hatte ich bei Ebay erstanden. Da ich zufällig einer Urlaubsfahrt über Plauen machte, konnte ich sie persönlich dort auch abholen. Die Fotos haben mir vorab schon verraten, dass es jede Menge Arbeit geben wird.
Es hat sich aber gelohnt. Wenn nicht gerade die Vegetation im Wege ist, kann man fast aus jeder Ecke auf dem Grundstück, die Zeit im Auge behalten.
Da das Grundstück etwas größer ist und sehr begrünt, kam noch eine weitere Uhr am Schuppen dazu. 


1. Die beidseitige Bahnhofsuhr

Da ist sie nun, meine beidseitige Bahnhofsuhr. 

Der Zahn der Zeit hat an ihr genagt.

Und auch im inneren sieht es nicht besser aus.

Erst ein mal alles komplett zerlegt. Den Kitt von der Verglasung musste fast heraus gemeiselt werden.

Im verdeckten Bereich der Halterung war das Blech schon durch gerostet. Auch die Elektrik muss ersetzt werden.


Die Zeiger aus Aluminium wurden gerichtet.
Das verblaste Ziffernblatt auf der Milchglasscheibe wurde durch Sandstrahlen entfernt.
Mit CorleDraw11 zeichnete ich mir ein neues Ziffernblatt und lies es bei der Firma Werbeanlagenbau Bohn,
hier in Bernau ausdrucken.
Die beiden runden Glasscheiben ließ ich bei der Glaserei Strömann, ebenfalls hier in Bernau neu anfertigen.
Die Elektrik wurde auch neu installiert. Bei der Gelegenheit habe ich einen Dämmerungsschalter eingebaut. Somit braucht man sich über die Beleuchtung, ebenfalls nicht mehr kümmern.


Sämtliche Blechteile habe ich bei der Sandstrahlerei Laugwitz, hier im Panketal reinigen lassen.
Danach habe ich sie grundiert und in RAL 7016 (Anthrazit) lackiert.

Eine Edelstahl Gewindestange von einem Meter in vier Teile geschnitten, 4 x 25cm in der Wand verankert, sollte reichen.

Die Aufnahme an der Fassade ist bereit für Uhr.


Der Rest war schnell komplettiert und mit einsetzen der Dämmerung ging auch das Licht an.

Nur das DCF-Funkmodul wartete noch auf das Funksignal aus Frankfurt. ;-)


2. Die gerettete Wanduhr

Bei uns im Betriebshof Weißensee der Straßenbahn wurde 2022 eine alte Halle vom Schleifstand abgerissen.
An der Wand hing noch eine schon durch Vandalismus gezeichnete große Wanduhr.
Sollte man die so einfach dem Abriss preisgeben? Nach kurzer Überlegung stand fest, auf keinem Fall. 
Diese Uhr hat seit Jahrzehnten dort den Arbeitern die Zeit gezeigt. Für unzählige Straßenbahnen auf den Schleifstand, zum Abdrehen der Räder, hat sie die Zeit genommen. 
Also wurde sie mittels einer bereitgestellten Leiter abgebaut und gerettet.
Die einzelnen Arbeitsschnitte waren die gleichen, wie schon zuvor bei der großen Bahnhofsuhr.
Auch die Ortsansässigen Firmen, haben wieder ihre Aufträge bekommen.

Das ist die Halle, wo einst die Radsätze seit den 70er Jahren an Berliner Straßenbahnen abgedreht wurden. Er hat ausgedient und wurde 2023 abgerissen. Nur die Uhr hat überlebt.

Zufällig stand dort eine Leiter in der Ecke.

Sinnlos mit einem Stein eingeworfen.

Der Gesamteindruck noch gut erhalten und ohne größeren Rost.

Der Stahl hatte nicht eine Roststelle. Kein Wunder, in einer trockenen und beheizten Halle. Auf der Uhr lag ein gefühlter Meter Staub vom Schleifen. Ebenfalls eine Uhr, die sich mit ein wenig Strom, das ganze Jahr selbst um sich kümmert.